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Strategie & Einführung

KI-Strategie für Kanzleien: in fünf Schritten zur gelebten Praxis

Das Wichtigste in Kürze

  • Ziele und Anwendungsfälle bestimmen die Technologie – nicht umgekehrt.
  • Eine Impact-Effort-Matrix macht aus einer Ideensammlung ein priorisiertes Portfolio aus Quick Wins und strategischen Vorhaben.
  • Klare Rollen, Schulung und Kennzahlen machen aus einem Pilot gelebte Praxis; bis zur breiten Verankerung vergehen realistisch zwölf bis achtzehn Monate.

Viele Kanzleien haben erste KI-Lizenzen erworben, einzelne Praxisgruppen experimentieren, andere warten ab. Was häufig fehlt, ist ein gemeinsamer Plan: Welche Ziele verfolgt die Kanzlei mit KI, wo entsteht der größte Nutzen, und wie wird aus Einzelinitiativen eine gelebte Praxis? Dieser Beitrag beschreibt ein strukturiertes Vorgehen in fünf Schritten – mit Rollen, realistischem Zeitplan und den Unterschieden zwischen mittelständischen Kanzleien und Großkanzleien.

Warum eine KI-Strategie den Unterschied macht

KI wird in Kanzleien längst genutzt – offen ist nur, ob gesteuert oder ungesteuert. Im Future of Professionals Report 2025 von Thomson Reuters gaben nur 22 Prozent der Befragten an, dass ihre Organisation eine sichtbare, definierte KI-Strategie hat. Organisationen mit einer solchen Strategie verzeichneten doppelt so häufig KI-bedingtes Umsatzwachstum wie Organisationen mit informellem oder anlassbezogenem Vorgehen.

Die Folgeausgabe 2026 bestätigt das Muster: Wo eine benannte KI-Strategie existiert, sehen 66 Prozent der Befragten die Erwartungen an den Nutzen von KI erfüllt oder übertroffen; ohne aktive Strategie sind es 22 Prozent. Dieselbe Studie zeigt, dass 34 Prozent der Befragten KI-Werkzeuge nutzen, die ihre Organisation nicht freigegeben hat. Eine fehlende Strategie verhindert die Nutzung also nicht – sie macht sie unsichtbar. Für Kanzleien, die der Verschwiegenheit nach § 43a Abs. 2 BRAO unterliegen, ist das ein erhebliches Risiko.

Was eine KI-Strategie umfasst

Zielbild
Welche Rolle KI für die Kanzlei spielen soll: Effizienz und Marge, Qualität und Risikominimierung, neue Leistungen, Entlastung und Attraktivität als Arbeitgeberin.
Use-Case-Portfolio
Priorisierte Anwendungsfälle mit Verantwortlichen, Kennzahlen und Reihenfolge.
Leitplanken
KI-Richtlinie, berufs- und datenschutzrechtliche Vorgaben, Informationssicherheit, Freigabeprozess für neue Werkzeuge.
Befähigung
Schulung nach Rollen, KI-Champions, Kommunikation und Anreize.
Roadmap
Phasen, Budget, Meilensteine und feste Entscheidungspunkte.

Keine KI-Strategie ist dagegen eine Liste gekaufter Tools, ein reines IT-Projekt oder ein Grundsatzpapier ohne Budget und Verantwortliche.

Die fünf Schritte im Überblick

  1. Ausgangslage und Ziele klären. Standort bestimmen, inoffizielle KI-Nutzung sichtbar machen, messbare Ziele beschließen.
  2. Use-Case-Portfolio aufbauen. Anwendungsfälle sammeln, nach Nutzen und Aufwand bewerten, eine erste Welle festlegen.
  3. Anforderungen ableiten und Tools auswählen. Aus den Anwendungsfällen einen gewichteten Anforderungskatalog entwickeln und Lösungen mit eigenen Testfällen vergleichen.
  4. Pilotieren und Quick Wins sichern. Unter realen Bedingungen erproben – mit Hypothesen, Baseline und klaren Entscheidungskriterien.
  5. Ausrollen und verankern. In Wellen ausrollen, Richtlinie, Schulung und Kennzahlen etablieren, das Portfolio laufend steuern.

Die Schritte bauen aufeinander auf, überlappen in der Praxis aber. Während die erste Welle pilotiert wird, läuft die Bewertung weiterer Anwendungsfälle bereits weiter.

Schritt 1: Ausgangslage und Ziele klären

Am Anfang steht eine ehrliche Bestandsaufnahme aus vier Perspektiven:

  • Nutzung: Welche KI-Werkzeuge sind offiziell im Einsatz, welche werden privat oder ohne Freigabe genutzt? Eine kurze, anonyme Befragung liefert hier meist überraschend klare Antworten.
  • Systeme und Daten: Wie sind Dokumentenmanagement, Kanzleisoftware und Office-Umgebung aufgestellt? Sind Muster, Klauseln und Schriftsätze auffindbar, aktuell und strukturiert abgelegt?
  • Kompetenzen: Wie sicher bewegen sich Anwältinnen und Anwälte, Sekretariat und Business Services im Umgang mit KI? Wer treibt das Thema bereits voran?
  • Markt: Was erwarten Mandantinnen und Mandanten, etwa in Ausschreibungen oder Mandatsbedingungen? Wie positionieren sich vergleichbare Kanzleien?

Eine strukturierte Selbsteinschätzung bietet der KI-Reifegrad-Check.

Ziele messbar formulieren

„Wir wollen effizienter werden“ ist kein Ziel, sondern eine Absicht. Tragfähige Ziele benennen einen Bereich, eine Kennzahl und einen Zeitraum:

AbsichtMessbares Ziel (Beispiel)
Effizienter arbeitenDurchlaufzeit für Erstentwürfe von Standardverträgen in einer Praxisgruppe innerhalb von zwölf Monaten um ein Drittel senken
Das Sekretariat entlastenZeitaufwand für Korrespondenz und Dokumentenaufbereitung senken, erhoben per Stichprobe vor und nach der Einführung
Qualität sichernNacharbeitsquote bei Due-Diligence-Berichten senken, bewertet anhand eines festen Prüfrasters
Bei der Mandantschaft sichtbar werdenIn Pitches für Kernmandate KI-gestützte Leistungen mit belegbarem Nutzen anbieten

Hilfreich ist es, Ziele in vier Dimensionen zu denken: Effizienz und Marge, Qualität und Risiko, Wachstum und neue Leistungen sowie Entlastung der Mitarbeitenden. Nicht jede Kanzlei gewichtet sie gleich – genau diese Gewichtung ist eine strategische Entscheidung der Partnerschaft.

  • Wir wissen, welche KI-Werkzeuge tatsächlich genutzt werden – auch inoffiziell.
  • Die Partnerschaft hat zwei bis vier Ziele mit Kennzahl und Zeitraum beschlossen.
  • Es gibt eine verantwortliche Person auf Partnerebene und ein Budget für die erste Phase.
  • Datenschutz, Informationssicherheit und Berufsrecht sind von Beginn an eingebunden.

Schritt 2: Use-Case-Portfolio mit der Impact-Effort-Matrix

Im zweiten Schritt entsteht aus vielen Ideen ein priorisiertes Portfolio. Sammeln Sie Anwendungsfälle in kurzen Workshops je Praxisgruppe – und ausdrücklich auch mit Sekretariat, Assistenz, Wissensmanagement und Business Services. Jeder Anwendungsfall erhält einen kurzen Steckbrief: Aufgabe, beteiligte Rollen, Häufigkeit, bisheriger Zeitaufwand, erwarteter Effekt, benötigte Daten und Risiken.

Anschließend bewerten Sie jeden Anwendungsfall auf zwei Achsen, jeweils auf einer Skala von 1 bis 5:

  • Impact: Häufigkeit und Zeitanteil der Aufgabe, Effekt auf Qualität und Risiko, Nutzen für die Mandantschaft, strategische Bedeutung.
  • Effort: Daten- und Integrationsaufwand, berufs- und datenschutzrechtliche Komplexität, Änderungsbedarf in Abläufen, Kosten.

Aus beiden Werten ergibt sich die Position in der Matrix – und damit die Behandlung des Anwendungsfalls:

Geringer AufwandHoher Aufwand
Hoher NutzenQuick Wins – sofort angehen: Zusammenfassungen von Akten und Schriftsätzen, Entwürfe für Standardkorrespondenz, Übersetzungen, BesprechungsprotokolleStrategische Vorhaben – planen und investieren: Vertragsprüfung anhand kanzleieigener Playbooks, Due-Diligence-Review, Wissensassistent auf Basis eigener Muster
Geringer NutzenFüllprojekte – bei Gelegenheit: Formulierungshilfen für Kanzleimarketing, Ideen für VeranstaltungenZurückstellen: etwa automatisierte Kommunikation mit der Mandantschaft ohne anwaltliche Kontrolle

Für die erste Welle eignen sich drei bis fünf Anwendungsfälle: überwiegend Quick Wins, die schnell sichtbaren Nutzen stiften, ergänzt um ein strategisches Vorhaben, das die Kanzlei langfristig differenziert. Eine Übersicht typischer Einsatzfelder finden Sie unter Anwendungsfälle; eine erste Größenordnung des Potenzials liefert der Potenzialrechner.

Schritt 3: Anforderungen ableiten und Tools auswählen

Erst jetzt kommt die Technologie ins Spiel. Aus den priorisierten Anwendungsfällen leiten Sie ab, was ein Werkzeug leisten muss – nicht umgekehrt. Die wichtigsten Kriterien:

  • Funktionalität und Ergebnisqualität für die konkreten Anwendungsfälle, einschließlich nachvollziehbarer Quellen bei Recherchen.
  • Integration in Word, Outlook, das Dokumentenmanagement und die Kanzleisoftware – Medienbrüche sind einer der häufigsten Gründe für Nichtnutzung.
  • Datenschutz, Berufsrecht und Informationssicherheit als Mindestanforderungen, nicht als nachgelagerte Prüfung.
  • Wirtschaftlichkeit, Anbieterstabilität und Usability, einschließlich Lizenzmodell und Exit-Möglichkeiten.

In der Praxis entsteht meist eine Kombination: ein Allzweck-Assistent als Basis für alle Mitarbeitenden und spezialisierte Legal-AI-Tools für Praxisgruppen mit hohem Volumen. Wie Sie Kriterien gewichten und Lösungen mit realen Testfällen vergleichen, beschreibt der Beitrag Legal-AI-Tools auswählen.

Schritt 4: Pilotierung und Quick Wins

Ein Pilot soll eine Entscheidung vorbereiten, nicht nur Begeisterung erzeugen. Er braucht deshalb überprüfbare Hypothesen – etwa „KI-gestützte Aktenzusammenfassungen verkürzen die Einarbeitung in neue Mandate spürbar, ohne dass die Fehlerquote steigt“ –, eine vorab erhobene Baseline, klare Kennzahlen und einen festen Entscheidungstermin.

Als Richtwert eignen sich Pilotgruppen mit 15 bis 30 Personen aus mehreren Rollen und Hierarchiestufen, darunter bewusst auch skeptische Stimmen, und eine Dauer von acht bis zwölf Wochen. Gearbeitet wird an realen Aufgaben unter den freigegebenen Bedingungen, mit wöchentlichem Feedback und einer zentralen Sammlung guter Prompts und Erfahrungen.

Viele Piloten enden ohne Entscheidung. Gartner prognostizierte, dass mindestens 30 Prozent der Projekte mit generativer KI bis Ende 2025 nach dem Proof of Concept aufgegeben werden – wegen mangelhafter Datenqualität, unzureichender Risikokontrollen, steigender Kosten oder unklaren Geschäftsnutzens. Ein guter Pilot adressiert genau diese vier Punkte.

So gelingt der Pilot

  • Hypothesen, Kennzahlen und Erfolgskriterien vor dem Start festlegen
  • Baseline messen, bevor das Tool zum Einsatz kommt
  • Gemischte Pilotgruppe, einschließlich Sekretariat und kritischer Stimmen
  • Reale Aufgaben mit freigegebenen Daten bearbeiten
  • Feste Feedbackroutine und Sprechstunde einrichten
  • Am Entscheidungstermin über Ausweitung, Anpassung oder Abbruch entscheiden

Typische Fehler

  • Lizenzen verteilen und abwarten
  • Nur Technikbegeisterte einbinden
  • Mit konstruierten Beispielen statt echter Arbeit testen
  • Erfolg am Bauchgefühl festmachen
  • Den Pilot ohne Enddatum verlängern
  • Ergebnisse nicht kommunizieren

Quick Wins verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit. Sichtbare Erfolge in den ersten Wochen – etwa eine Praxisgruppe, die Aktenzusammenfassungen routinemäßig nutzt – erzeugen die Glaubwürdigkeit, die strategische Vorhaben später brauchen. Machen Sie diese Erfolge in Partnerrunden und Praxisgruppen-Meetings sichtbar.

Schritt 5: Rollout und Verankerung

Nach einer positiven Pilotentscheidung folgt der Rollout in Wellen, typischerweise Praxisgruppe für Praxisgruppe. Jede Welle kombiniert technische Bereitstellung, rollenspezifische Schulung und Begleitung durch KI-Champions. Parallel werden die Leitplanken verbindlich: eine KI-Richtlinie, die freigegebene Tools, zulässige Daten und Prüfpflichten regelt, sowie ein Freigabeprozess für neue Anwendungen.

Schulung ist dabei keine Kür. Art. 4 AI Act verpflichtet Betreiber von KI-Systemen – also auch Kanzleien, die KI beruflich einsetzen –, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen. Welche Pflichten die Verordnung darüber hinaus begründet, erläutert der Beitrag zum AI Act.

Verankert ist KI erst, wenn sie Teil der Abläufe geworden ist – nicht schon, wenn alle eine Lizenz haben. Daran erkennen Sie es:

  • Prozesse sind angepasst, etwa durch feste Prüfschritte für KI-gestützte Entwürfe und eine Ablage bewährter Prompts im Wissensmanagement.
  • Neue Mitarbeitende lernen im Onboarding die freigegebenen Tools und die Richtlinie kennen.
  • Nutzung und Wirkung werden regelmäßig gemessen und an die Partnerschaft berichtet (siehe Nutzen von KI messen).
  • Das Use-Case-Portfolio wird quartalsweise überprüft; neue Anwendungsfälle durchlaufen denselben Bewertungsprozess.
  • Die Kanzlei hat entschieden, wie sie gegenüber der Mandantschaft mit dem KI-Einsatz umgeht (siehe Transparenz gegenüber der Mandantschaft).

Wie Sie Akzeptanz systematisch aufbauen, beschreibt der Beitrag Change Management und Adoption.

Rollen: Wer die Strategie trägt

KI-Strategien scheitern selten an der Technik, häufiger an unklarer Verantwortung. Im Future Ready Lawyer Survey Report 2026 von Wolters Kluwer nannten 42 Prozent der Befragten die IT-Abteilung als wichtigsten Treiber der KI-Einführung in ihrer Organisation, 34 Prozent die Leitungsebene und 27 Prozent die Seniorpartnerinnen und -partner. Für Kanzleien ist das ein Warnsignal: Gilt KI als IT-Thema, fehlt ihr die fachliche und unternehmerische Verankerung.

RolleAufgabenTypische Besetzung
Sponsorin oder SponsorVerantwortet Ziele und Budget, vertritt das Thema in der Partnerschaft, entscheidet über PrioritätenManaging Partner oder ein anderes Mitglied der Kanzleileitung
LenkungskreisEntscheidet an festen Meilensteinen über Portfolio, Budget und PilotergebnisseSponsorin oder Sponsor, zwei bis drei Partnerinnen und Partner aus unterschiedlichen Praxisgruppen, COO
Core-TeamSteuert das Programm operativ: Use-Case-Bewertung, Tool-Auswahl, Piloten, Schulung, MessungProjektleitung, Legal Tech und IT, Knowledge Management, Datenschutz und Informationssicherheit, je eine Vertretung aus Anwaltschaft und Sekretariat
KI-ChampionsUnterstützen im Alltag, sammeln Anwendungsfälle und Feedback, geben Erfahrungen weiterAnerkannte Personen aus jeder Praxisgruppe und aus dem Sekretariat – nicht nur Technikbegeisterte
NutzendeSetzen KI ein, prüfen Ergebnisse eigenverantwortlich, melden VerbesserungsbedarfAnwältinnen und Anwälte, Sekretariat und Assistenz, Business Services

Entscheidend ist die Zeit: Mitglieder des Core-Teams und KI-Champions brauchen ein ausdrücklich zugewiesenes Zeitkontingent, das auf Zielvorgaben – auch auf Stundenziele – angerechnet wird. Ohne diese Anrechnung konkurriert die KI-Arbeit stets mit abrechenbaren Mandaten und verliert.

Ein realistischer Zeitplan

Die folgenden Richtwerte gehen von einer Kanzlei aus, die strukturiert, aber ohne nennenswerte Vorarbeiten startet. Vorhandene Richtlinien, eine aufgeräumte Dokumentenlandschaft oder bereits lizenzierte Plattformen verkürzen einzelne Phasen deutlich.

PhaseZeitraum (Richtwert)Ergebnis
1. Ausgangslage und ZieleMonat 1 bis 2Bestandsaufnahme, beschlossene Ziele, Sponsor und Core-Team benannt
2. Use-Case-PortfolioMonat 2 bis 3Bewertete Anwendungsfälle, erste Welle mit drei bis fünf Use Cases
3. Anforderungen und Tool-AuswahlMonat 3 bis 5Gewichteter Anforderungskatalog, getestete Shortlist, geprüfte Verträge
4. PilotierungMonat 5 bis 8Messergebnisse und Entscheidung über die Ausweitung
5. Rollout und Verankerungab Monat 8, fortlaufendRollout in Wellen, verbindliche Richtlinie, Schulungsprogramm, regelmäßiges Reporting

Bis KI in der Breite der Kanzlei zum Arbeitsalltag gehört, vergehen realistischerweise zwölf bis achtzehn Monate. Das ist kein Argument für Zurückhaltung, sondern für einen frühen, strukturierten Start – Quick Wins können bereits in den ersten Monaten sichtbaren Nutzen stiften.

Mittelständische Kanzlei und Großkanzlei: Was sich unterscheidet

Das Vorgehen ist im Kern dasselbe, die Ausgestaltung unterscheidet sich deutlich:

DimensionMittelständische KanzleiGroßkanzlei
EntscheidungswegeKurz; die Partnerversammlung entscheidet oft direktMehrstufig, mit Gremien und teils internationaler Abstimmung
RessourcenSelten eigene Legal-Tech-Teams; das Core-Team besteht aus engagierten Berufsträgerinnen und Berufsträgern sowie MitarbeitendenEigene Teams für Innovation, Knowledge Management und Legal Tech
Tool-LandschaftWenige, gut integrierte Lösungen: Allzweck-Assistent plus ausgewählte SpezialtoolsPlattform plus mehrere Spezialtools, teils Eigenentwicklungen
GovernanceSchlanke Richtlinie, klare ZuständigkeitenFormale Freigabeprozesse, Risikogremien, Vorgaben aus Mandatsbedingungen
Erwartungen der MandantschaftZunehmend Fragen nach Effizienz und PreisgestaltungAusschreibungen, Audits und Nachweise zum KI-Einsatz
Typischer EngpassZeit und Know-howAbstimmung und Komplexität
Typische StärkeGeschwindigkeit und Nähe zur PraxisSkalierung und Investitionskraft

Mittelständische Kanzleien profitieren davon, dass Entscheidungen schnell fallen können. Sie sollten den Umfang bewusst begrenzen und auf Integration statt Tool-Vielfalt setzen. Großkanzleien müssen dagegen verhindern, dass Praxisgruppen parallel eigene Lösungen beschaffen, und brauchen ein zentrales Portfolio-Management mit klaren Freigaberegeln. Vertiefende Hinweise finden Sie auf den Seiten für mittelständische Kanzleien und Großkanzleien.

Eine KI-Strategie ist erst dann eine Strategie, wenn sie auch festlegt, was die Kanzlei bewusst nicht tut.

Häufige Fragen

Brauchen wir eine eigene KI-Strategie, oder reicht unsere Digitalstrategie?

KI kann Teil einer übergreifenden Digitalstrategie sein. Sie braucht aber eigene Bausteine: ein priorisiertes Use-Case-Portfolio, spezifische Leitplanken für Berufsrecht und Datenschutz sowie ein Befähigungsprogramm. Entscheidend ist nicht das Dokument, sondern dass Ziele, Verantwortliche, Budget und Entscheidungspunkte konkret benannt sind.

Sollten wir nicht warten, bis die Technologie ausgereift ist?

Die Technologie entwickelt sich laufend weiter; einen Zeitpunkt, an dem sie „fertig“ ist, wird es nicht geben. Wer wartet, verschiebt vor allem den Aufbau von Kompetenz – und die inoffizielle Nutzung findet trotzdem statt. Sinnvoller ist ein Start mit risikoarmen Anwendungsfällen, kurzen Vertragslaufzeiten und einer Architektur, die einen späteren Wechsel von Werkzeugen erlaubt.

Wer sollte die KI-Strategie verantworten?

Die Gesamtverantwortung gehört auf Partnerebene, idealerweise zur Kanzleileitung. Die operative Steuerung übernimmt eine Projektleitung mit ausreichendem Zeitbudget, unterstützt durch ein interdisziplinäres Core-Team. Eine reine Delegation an die IT greift zu kurz, weil die wesentlichen Entscheidungen fachlicher und wirtschaftlicher Natur sind.

Wie viel Budget sollten wir einplanen?

Das hängt von Ambition und Ausgangslage ab. Planen Sie neben Lizenzen auch Integration, Schulung, Betrieb und Governance ein – und vor allem die interne Arbeitszeit, die in vielen Projekten den größten Kostenblock bildet. Bewährt hat sich ein Budget je Phase, das an den Entscheidungspunkten neu freigegeben wird. Wie Sie den Nutzen dem Aufwand gegenüberstellen, zeigt der Beitrag Nutzen von KI messen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Thomson Reuters: The AI adoption reality check – Pressemitteilung zum Future of Professionals Report 2025
  2. Thomson Reuters Institute: Future of Professionals Report 2026
  3. Wolters Kluwer: 2026 Future Ready Lawyer Survey Report (PDF)
  4. Gartner: Gartner Predicts 30% of Generative AI Projects Will Be Abandoned After Proof of Concept By End of 2025
  5. § 43a BRAO – Grundpflichten (Verschwiegenheit)
  6. § 43e BRAO – Inanspruchnahme von Dienstleistungen
  7. Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung/AI Act) auf EUR-Lex
  8. Bundesrechtsanwaltskammer: Hinweise zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI)

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