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Praxis

Prompting für Juristinnen und Juristen: Grundgerüst und Vorlagen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Qualitätskriterien und Quellen bilden ein verlässliches Grundgerüst für jeden wichtigen Prompt.
  • Rückfragen, Gegenprüfung aus Sicht der Gegenseite und Selbstkontrolle verbessern Ergebnisse spürbar – die eigene Prüfung ersetzen sie nicht.
  • Eine gepflegte Prompt-Bibliothek macht bewährte Vorlagen für das ganze Team nutzbar und sichert Qualitäts- und Datenschutzstandards.
  • Mandatsbezogene Informationen gehören nur in freigegebene Tools; Platzhalter und Anonymisierung senken das Risiko zusätzlich.

Die Qualität einer KI-Antwort hängt maßgeblich davon ab, wie die Aufgabe gestellt wird. Das gilt für die Anwältin, die einen Schriftsatzentwurf gegenlesen lässt, ebenso wie für das Sekretariat, das eine Terminbestätigung vorbereitet. Gutes Prompting ist kein Geheimwissen, sondern Handwerk: Es folgt einem klaren Gerüst, nutzt einige bewährte Techniken und wird im Team geteilt. Dieser Beitrag zeigt, wie das gelingt – mit Beispiel-Prompts zum direkten Übernehmen.

Warum die Aufgabenstellung den Unterschied macht

Stellen Sie sich vor, Sie übergeben einer Berufseinsteigerin eine Akte mit dem Satz „Schauen Sie sich das mal an“. Sie erhalten irgendein Ergebnis, aber selten das, was Sie brauchen. Erklären Sie dagegen, worum es im Mandat geht, was Sie erwarten, für wen das Ergebnis bestimmt ist und in welcher Form Sie es benötigen, steigt die Qualität deutlich.

Mit KI verhält es sich genauso, mit einem Unterschied: Die KI fragt in der Regel nicht nach, sondern füllt Lücken mit Annahmen. Aktuelle Modelle verstehen auch knappe Anweisungen gut. Was sie nicht wissen können, ist der Kontext: das Mandat, das Ziel, die Adressaten, die Gepflogenheiten Ihrer Kanzlei. Gutes Prompting ist deshalb vor allem Kontextarbeit.

Das Grundgerüst: sechs Bausteine

Ein bewährtes Gerüst für Prompts besteht aus sechs Bausteinen. Nicht jede Anfrage braucht alle sechs – für eine kurze E-Mail genügen oft Aufgabe und Format. Je wichtiger und komplexer das Ergebnis, desto mehr Bausteine lohnen sich.

BausteinLeitfrageBeispiel
RolleAus welcher Perspektive soll die KI arbeiten?„Du unterstützt eine Arbeitsrechtlerin auf Arbeitgeberseite.“
KontextWas muss die KI über Sachverhalt, Ziel und Beteiligte wissen?„Die Mandantin ist ein Familienunternehmen; das Schreiben geht an den Betriebsrat.“
AufgabeWas genau soll entstehen?„Entwirf eine Stellungnahme zu den drei Einwänden des Betriebsrats.“
FormatWelche Form, Länge und Tonalität?„Höchstens eine Seite, Sie-Form, sachlich, mit Zwischenüberschriften.“
QualitätskriterienWoran messen Sie das Ergebnis?„Keine Zugeständnisse in der Kernfrage, verständlich für juristische Laien.“
QuellenWorauf soll sich die KI stützen – und worauf nicht?„Stütze dich ausschließlich auf die beigefügten Unterlagen und kennzeichne Annahmen.“

In der Praxis werden zwei Bausteine besonders oft unterschätzt: der Kontext und die Qualitätskriterien. Die Rolle wird dagegen häufig überschätzt. Sie prägt Ton und Perspektive, ersetzt aber keine Information über den Fall.

Beispiel-Prompt: Vergleichsvorschlag für die Mandantschaft erläutern
Rolle: Du unterstützt eine Anwältin für Baurecht bei der Mandantenkommunikation.

Kontext: Die Mandantin ist eine private Bauherrin ohne juristische Vorkenntnisse. Im Rechtsstreit mit [Bauunternehmen] hat das Gericht einen Vergleich vorgeschlagen. Die Eckpunkte stehen unten.

Aufgabe: Entwirf eine E-Mail an die Mandantin, die den Vergleichsvorschlag erläutert und ihre Entscheidung vorbereitet.

Format: Sie-Form, höchstens 350 Wörter, kurze Absätze. Am Ende eine Gegenüberstellung „Vorteile“ und „Risiken“ in Stichpunkten.

Qualitätskriterien: sachlich und verständlich, Fachbegriffe kurz erklären. Keine Empfehlung – die gebe ich selbst.

Quellen: Nutze ausschließlich die Eckpunkte unten. Fehlen Informationen, setze [ERGÄNZEN], statt zu raten.

### Eckpunkte ###
[Eckpunkte des Vergleichsvorschlags, ohne Namen und Aktenzeichen]
### Ende ###

Bewährte Techniken

Schrittweise vorgehen

Komplexe Aufgaben gelingen besser, wenn Sie sie in Etappen zerlegen: erst den Sachverhalt ordnen, dann die Fragen identifizieren, dann bewerten. So prüfen Sie jedes Zwischenergebnis, bevor darauf aufgebaut wird. Reasoning-Modelle zerlegen Aufgaben zwar selbst in Teilschritte – die Kontrolle über die Zwischenergebnisse behalten Sie aber nur, wenn Sie die Etappen vorgeben.

Beispiel-Prompt: Chronologie aus Unterlagen erstellen
Ich lade dir Unterlagen zu einem Mietrechtsstreit hoch (Schriftwechsel, Protokolle, Rechnungen).

Schritt 1: Erstelle eine chronologische Tabelle mit den Spalten Datum, Ereignis, Beteiligte, Fundstelle (Dokument und Seite).
Schritt 2: Markiere Widersprüche zwischen den Dokumenten und Lücken im zeitlichen Ablauf.
Schritt 3: Liste offene Fragen an die Mandantschaft auf.

Arbeite nur mit den Unterlagen. Ist ein Datum unklar, schreibe „unklar“ und nenne den Grund. Führe zunächst nur Schritt 1 aus und warte auf meine Freigabe.

Mit Beispielen arbeiten

Ein gutes Beispiel ersetzt lange Stilbeschreibungen. Geben Sie der KI ein anonymisiertes Muster, das Ton, Aufbau und Länge vorgibt – etwa ein bewährtes Schreiben aus Ihrer Kanzlei. Wichtig ist der Hinweis, dass nur die Form übernommen werden soll, nicht der Inhalt. Fachleute sprechen von Few-Shot-Prompting.

Beispiel-Prompt: Antwort im Kanzleistil (Sekretariat)
Formuliere eine Antwort auf die unten stehende Anfrage einer Mandantin, die einen Besprechungstermin verschieben möchte.

Orientiere dich in Ton, Aufbau und Länge am Musterschreiben. Übernimm keine Inhalte aus dem Muster.

Vorgaben: Sie-Form, freundlich und verbindlich, zwei Terminvorschläge als Platzhalter [Termin 1] und [Termin 2], Hinweis auf die Möglichkeit einer Videobesprechung.

### Musterschreiben ###
[anonymisiertes Beispiel einer Terminkorrespondenz Ihrer Kanzlei]
### Anfrage ###
[Text der Anfrage, Namen durch Platzhalter ersetzt]

Rückfragen zulassen

Von sich aus fragt die KI selten nach – sie trifft Annahmen. Bitten Sie deshalb ausdrücklich um Rückfragen, bevor sie mit der eigentlichen Arbeit beginnt. Das kostet eine Runde mehr, erspart aber häufig mehrere Korrekturschleifen.

Beispiel-Prompt: Gliederung für ein Memo mit Rückfragen
Ich möchte ein internes Memo zu der Frage erstellen, ob [Mandantin] von einem Liefervertrag zurücktreten kann. Sachverhalt: [zwei bis drei Sätze, ohne Namen].

Bevor du eine Gliederung vorschlägst, stelle mir bis zu fünf Rückfragen zu den Punkten, die für die Struktur des Memos am wichtigsten sind. Nummeriere die Fragen und erkläre jeweils in einem Satz, warum die Antwort relevant ist.

Erst nach meinen Antworten: Gliederung mit Hauptpunkten und je zwei bis drei Unterpunkten.

Gegenprüfung: der Advocatus Diaboli

Eine der wirkungsvollsten Techniken für Juristinnen und Juristen: Lassen Sie die KI den eigenen Entwurf aus der Perspektive der Gegenseite oder des Gerichts angreifen. Sie erhalten in kurzer Zeit mögliche Einwände, Schwachstellen in der Argumentation und Lücken im Vortrag. Nicht jeder Einwand ist stichhaltig, aber jeder ist einen kurzen Gedanken wert.

Beispiel-Prompt: Schriftsatzentwurf aus Sicht der Gegenseite prüfen
Du vertrittst die Gegenseite und hast den folgenden Schriftsatzentwurf erhalten. Prüfe ihn so kritisch wie möglich.

1. Nenne die fünf stärksten Gegenargumente, geordnet nach Gewicht.
2. Zeige Stellen, an denen Tatsachenvortrag fehlt oder nicht ausreichend substantiiert ist.
3. Benenne angreifbare Beweisangebote.
4. Formuliere zu jedem Punkt in einem Satz, wie wir ihn entkräften könnten.

Beziehe dich jeweils auf Abschnitt oder Randnummer des Entwurfs. Nenne keine Fundstellen zu Rechtsprechung, sondern beschreibe nur das Argument.

### Entwurf ###
[Schriftsatzentwurf, Parteien durch Platzhalter ersetzt]

Selbstkontrolle einbauen

Sie können die KI bitten, ihr eigenes Ergebnis gegen vorgegebene Kriterien zu prüfen, Annahmen offenzulegen und unsichere Aussagen zu markieren. Das verbessert die Qualität und zeigt Ihnen, wo Sie genauer hinsehen sollten. Die Grenze ist klar: Ein Modell kann eigene Fehler übersehen oder sogar bestätigen. Selbstkontrolle ergänzt Ihre Prüfung, sie ersetzt sie nicht.

Beispiel-Prompt: Ergebnis gegen Kriterien prüfen lassen
Prüfe deinen Entwurf anhand der folgenden Kriterien und antworte in einer Tabelle (Kriterium | erfüllt: ja, nein, teilweise | Begründung):

- Sind alle Fragen aus meiner Aufgabenstellung beantwortet?
- Stützt sich jede Tatsachenbehauptung auf die bereitgestellten Unterlagen?
- Welche Aussagen beruhen auf Annahmen? Liste sie einzeln auf.
- Wo bist du unsicher? Markiere diese Stellen im Text mit [PRÜFEN].
- Welche Normen oder Entscheidungen muss ich am Original verifizieren?

Überarbeite den Entwurf anschließend nur dort, wo ein Kriterium nicht erfüllt ist.

Iterieren statt neu anfangen

Der erste Entwurf ist selten der beste. Statt einen völlig neuen Prompt zu schreiben, geben Sie präzises Feedback: „Absatz zwei kürzen“, „Ton förmlicher“, „bei Punkt drei fehlt die Rechtsfolge“. Je konkreter die Rückmeldung, desto gezielter die Überarbeitung. Wird ein Chat lang und unübersichtlich, leidet allerdings die Qualität. Dann hilft ein Neustart: Lassen Sie die KI Ziel, Vorgaben, aktuellen Entwurf und offene Punkte zusammenfassen, und setzen Sie die Arbeit mit dieser Übergabe in einem neuen Chat fort.

Weitere Handgriffe

  • Material und Anweisung trennen: Markieren Sie eingefügte Texte deutlich, etwa mit „### Dokument ###“. So unterscheidet die KI zwischen Ihrer Anweisung und dem zu bearbeitenden Material.
  • Lange Dokumente zuerst: Bei umfangreichem Material hat es sich bewährt, das Dokument voranzustellen und die eigentliche Frage ans Ende zu setzen.
  • Positiv formulieren: „Schreibe in kurzen Sätzen“ wirkt zuverlässiger als „Schreibe nicht zu kompliziert“.
  • Zielgruppe nennen: Die Angabe „für die Geschäftsführung ohne juristische Vorkenntnisse“ verändert Wortwahl und Tiefe stärker als jede Stilbeschreibung.

Weitere Beispiel-Prompts für Anwältinnen und Anwälte

Beispiel-Prompt: Geheimhaltungsvereinbarung anhand des Kanzlei-Playbooks prüfen
Prüfe die unten stehende Geheimhaltungsvereinbarung aus Sicht unserer Mandantin, die vertrauliche Informationen offenlegt.

Maßstab sind ausschließlich unsere Standardpositionen im Playbook. Erstelle eine Tabelle mit den Spalten: Klausel | Regelung im Entwurf | Standardposition laut Playbook | Abweichung (keine, gering, erheblich) | Formulierungsvorschlag.

Klauseln, die das Playbook nicht abdeckt, listest du gesondert unter „Nicht abgedeckt“ auf, ohne sie zu bewerten.

### Playbook ###
[Standardpositionen der Kanzlei]
### Vertragsentwurf ###
[Vertragstext, Parteien durch Platzhalter ersetzt]
Beispiel-Prompt: Fragenkatalog für ein Erstgespräch
Ich führe ein Erstgespräch mit einem Arbeitnehmer, dem gekündigt wurde. Bekannt ist bisher: [Eckdaten ohne Namen, etwa Branche, Betriebsgröße, Beschäftigungsdauer, Datum des Kündigungszugangs].

Erstelle einen strukturierten Fragenkatalog, gegliedert nach: Kündigungssachverhalt, Formalien und Fristen, Sonderkündigungsschutz, Unterlagen, Ziele des Mandanten.

Markiere die Fragen, die wegen möglicher Fristen sofort geklärt werden müssen. Höchstens 25 Fragen.

Beispiel-Prompts für Sekretariat und Assistenz

Im Sekretariat wiederholen sich viele Aufgaben – gute Voraussetzungen für erprobte Vorlagen. Weitere Anregungen bietet der Beitrag KI im Sekretariat.

Beispiel-Prompt: Eingangspost zusammenfassen und vorsortieren
Fasse das folgende Schreiben für die zuständige Anwältin zusammen. Gliederung:

1. Absender und Art des Schreibens (zum Beispiel Beschluss, Schreiben der Gegenseite, Rechnung)
2. Kernaussage in höchstens drei Sätzen
3. Was wird von uns verlangt? Zitiere die betreffende Textstelle wörtlich.
4. Vorschlag zur Dringlichkeit (hoch, mittel, niedrig) mit kurzer Begründung

Berechne keine Fristen. Wenn das Schreiben eine Frist enthält oder auslösen könnte, schreibe gut sichtbar: „Fristprüfung erforderlich“.

### Schreiben ###
[Text des Schreibens]

Die Anweisung „Berechne keine Fristen“ ist bewusst gewählt: Fristen werden im etablierten Fristenprozess der Kanzlei berechnet, notiert und kontrolliert. Die KI liefert allenfalls einen zusätzlichen Hinweis.

Beispiel-Prompt: Unterlagen bei der Mandantschaft anfordern
Erstelle ein Anschreiben an eine neue Mandantin in einer Erbrechtsangelegenheit, mit dem wir die für die Bearbeitung nötigen Unterlagen anfordern.

Unterlagen: [Liste aus der Checkliste der zuständigen Anwältin]

Vorgaben: Sie-Form, freundlich, verständlich für juristische Laien. Die Unterlagen als nummerierte Liste zum Abhaken. Rücksendung bis [Datum], Rückfragen an [Ansprechperson].
Beispiel-Prompt: Korrekturlesen ohne inhaltliche Änderungen
Korrigiere im folgenden Text ausschließlich Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.

Ändere keine Formulierungen, keine Fachbegriffe, keine Namen, Daten oder Zahlen. Gib zuerst den korrigierten Text aus und danach eine Liste aller Änderungen im Format: Original → Korrektur.

### Text ###
[Text]

Prompt-Bibliothek und Vorlagen im Team

Gute Prompts entstehen oft in der Praxis einzelner Personen – und bleiben dort. Eine gemeinsame Prompt-Bibliothek macht sie für alle nutzbar, verkürzt die Einarbeitung und setzt Standards: Wer eine geprüfte Vorlage nutzt, übernimmt automatisch die bewährte Struktur, die Prüfhinweise und die Datenschutzvorgaben. Jeder Eintrag sollte deshalb mehr enthalten als den reinen Prompt-Text:

Titel und Zweck
Wofür ist der Prompt gedacht – und wofür ausdrücklich nicht?
Zielgruppe und Tool
Für welche Rolle und in welcher freigegebenen Anwendung wird er eingesetzt?
Zulässige Daten
Dürfen Mandatsdaten verwendet werden oder nur anonymisierte Inhalte?
Prompt mit Platzhaltern
Variable Angaben einheitlich in [eckigen Klammern].
Beispielergebnis und Prüfhinweise
Wie sieht ein gutes Ergebnis aus, und was ist vor der Verwendung zu kontrollieren?
Verantwortung und Prüfdatum
Wer pflegt den Eintrag, und wann wurde er zuletzt überprüft?

Wo die Bibliothek liegt, ist zweitrangig: eine Seite im Intranet, ein Kanal in der Kollaborationsplattform oder die Vorlagenfunktion des eingesetzten KI-Tools. Viele Anwendungen erlauben zudem gespeicherte Assistenten oder Projekte, in denen Anweisungen und Referenzdokumente wie der Stilleitfaden der Kanzlei dauerhaft hinterlegt sind.

Entscheidend sind klare Zuständigkeiten. Sinnvoll ist es, die Pflege KI-Champions aus Anwaltschaft und Sekretariat zu übertragen, die Rückmeldungen sammeln und veraltete Vorlagen aussortieren. Beginnen Sie mit wenigen, häufig genutzten Vorlagen und erweitern Sie die Sammlung entlang der tatsächlichen Nachfrage. Wie Sie das Team dabei mitnehmen, beschreibt der Beitrag zum Change Management.

Beispiel-Prompt: Einen Prompt für die Bibliothek verbessern
Ich möchte den folgenden Prompt in unsere Prompt-Bibliothek aufnehmen, damit Kolleginnen und Kollegen ihn wiederverwenden können.

1. Prüfe ihn anhand der Bausteine Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Qualitätskriterien und Quellen. Was fehlt, was ist unklar?
2. Schlage eine verbesserte Fassung vor, in der alle variablen Angaben als [Platzhalter] markiert sind.
3. Formuliere einen Titel und eine Kurzbeschreibung von höchstens zwei Sätzen.

### Prompt ###
[Ihr bisheriger Prompt]

Spracheingabe: diktieren statt tippen

Das Diktat hat in Kanzleien Tradition – und es passt gut zum Prompting. Wer spricht, liefert meist mehr Kontext als beim Tippen: Hintergründe, Zusammenhänge, Nuancen. Sie können Ihre Gedanken ungeordnet einsprechen und die Struktur der KI überlassen. Spracheingabe ist in Betriebssystemen, Diktierlösungen und vielen KI-Anwendungen verfügbar. Drei Punkte sollten Sie beachten:

  • Fachbegriffe kontrollieren: Spracherkennung verwechselt mitunter juristische Termini, Namen und Zahlen. Lesen Sie Transkripte vor der Weiterverwendung gegen.
  • Verarbeitungsort prüfen: Auch Audio wird häufig in der Cloud verarbeitet. Für Diktate mit Mandatsbezug gelten dieselben Anforderungen wie für Texteingaben.
  • Umgebung beachten: Diktieren Sie mandatsbezogene Inhalte nicht dort, wo Unbefugte mithören können.
Beispiel-Prompt: Aktennotiz aus einem frei gesprochenen Diktat
Ich diktiere dir gleich frei und ungeordnet meine Notizen zu einem Telefonat. Mache daraus eine Aktennotiz mit dieser Struktur:

- Datum und Gesprächsbeteiligte: [Platzhalter]
- Anlass
- Wesentlicher Inhalt (ganze Sätze, sachlich)
- Vereinbarungen und nächste Schritte (wer, was, bis wann)
- Offene Punkte

Übernimm nur, was ich diktiere. Unklares oder Widersprüchliches markierst du mit [KLÄREN]. Korrigiere offensichtliche Erkennungsfehler bei Fachbegriffen und kennzeichne diese Korrekturen.

Datenschutz und Verschwiegenheit beim Prompten

Beim Prompten entscheidet sich ganz praktisch, ob Mandatsgeheimnisse geschützt bleiben. Die Grundregel ist einfach: Mandatsbezogene Informationen gehören nur in Anwendungen, die die Kanzlei ausdrücklich dafür freigegeben hat. Private Konten und kostenlose Verbraucherversionen scheiden dafür aus, selbst wenn im Hintergrund vergleichbare Modelle arbeiten.

Praktikabel ist eine Einordnung nach einem Ampelsystem, das in der KI-Richtlinie festgelegt wird. Ein mögliches Schema:

KategorieBeispieleVerwendung
GrünGesetzestexte, allgemeine Rechtsfragen, Formulierungshilfen ohne Fallbezugin allen freigegebenen Tools
GelbVollständig anonymisierte Sachverhalte, interne Organisationsfragenin freigegebenen Tools, Anonymisierung vorher prüfen
RotMandatsgeheimnisse, Namen, Aktenzeichen, Gesundheits- oder Strafverfahrensdatennur in Tools, die ausdrücklich für Mandatsdaten freigegeben sind

Für die tägliche Arbeit helfen einige Gewohnheiten:

  • Platzhalter statt Klarnamen verwenden: [Mandantin A], [Gegnerin B], [Ort], [Datum].
  • Aktenzeichen, Anschriften, Kontodaten und Geburtsdaten entfernen, wenn die Aufgabe sie nicht erfordert.
  • Dokumente vor dem Hochladen prüfen: Kommentare, Änderungsverfolgung und Metadaten enthalten oft mehr als der sichtbare Text.
  • Weitergeleitete E-Mail-Verläufe um Signaturen und frühere Nachrichten kürzen.
  • Die Einstellungen kennen: Trainingsnutzung, Chatverlauf, Erinnerungsfunktionen und das Teilen von Chats per Link.

Bedenken Sie dabei: Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer weist darauf hin, dass es regelmäßig nicht genügt, Namen und Anschriften zu entfernen, wenn sich Mandatsinformationen aus dem Kontext ergeben können. Platzhalter senken das Risiko, ersetzen aber nicht die Freigabe des Tools.

Ein weiterer Punkt betrifft fremde Inhalte: E-Mails, Webseiten oder Dokumente Dritter können versteckte Anweisungen enthalten, die das Verhalten der KI manipulieren sollen (Prompt Injection). Kennzeichnen Sie eingefügte Fremdtexte deshalb als Material und weisen Sie die KI an, darin enthaltene Anweisungen nicht auszuführen.

Checkliste: der gute Prompt auf einen Blick

  • Ist klar, was genau entstehen soll?
  • Kennt die KI den nötigen Kontext: Mandat, Ziel, Adressaten?
  • Sind Format, Länge und Tonalität vorgegeben?
  • Sind Qualitätskriterien benannt?
  • Ist festgelegt, worauf sich die KI stützen darf und dass sie Lücken kennzeichnen soll?
  • Sind Material und Anweisung klar getrennt?
  • Enthält der Prompt nur Daten, die für dieses Tool freigegeben sind?
  • Ist eingeplant, wie das Ergebnis geprüft wird?

Wer diese Fragen routinemäßig durchgeht, braucht keine Tricks. Vertiefen lässt sich das Handwerk in praxisnahen Schulungen; kurze Anregungen für den Alltag sammelt die Rubrik Tipps und Tricks.

Häufige Fragen

Sollte ich auf Deutsch oder auf Englisch prompten?

Aktuelle Modelle verstehen deutsche Anweisungen gut. Prompten Sie in der Sprache, in der Sie am präzisesten formulieren, und geben Sie die gewünschte Ausgabesprache ausdrücklich an – vor allem, wenn das Material in einer anderen Sprache vorliegt.

Funktionieren die Beispiel-Prompts in jedem Tool?

Die Beispiele sind bewusst allgemein gehalten und lassen sich in gängigen KI-Assistenten verwenden. Juristische Fachanwendungen arbeiten teils mit eigenen Eingabemasken oder vordefinierten Abläufen; das Grundgerüst lässt sich aber übertragen. Testen Sie jede Vorlage in Ihrem Tool, bevor sie in die Bibliothek aufgenommen wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesrechtsanwaltskammer: Hinweise zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI)
  2. Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz
  3. BSI: Indirect Prompt Injections – Intrinsische Schwachstelle in anwendungsintegrierten KI-Sprachmodellen
  4. § 43a BRAO – Grundpflichten
  5. § 43e BRAO – Inanspruchnahme von Dienstleistungen
  6. § 203 StGB – Verletzung von Privatgeheimnissen

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