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Glossar

KI-Begriffe, verständlich erklärt.

78 Begriffe aus Technik, Recht und Praxis.

78 Begriffe

A

Adoption
Organisation
Der Grad, in dem Mitarbeitende ein eingeführtes KI-Tool tatsächlich und sinnvoll im Arbeitsalltag nutzen. Hohe Adoption entsteht nicht durch Lizenzen allein, sondern durch passende Anwendungsfälle, Schulung, sichtbare Vorbilder und Unterstützung im Team.
Advocatus-Diaboli-Prompt
Praxis
Eine Prompt-Technik, bei der die KI einen Entwurf gezielt aus Sicht der Gegenseite oder des Gerichts angreift. Sie liefert in kurzer Zeit mögliche Einwände und Schwachstellen der Argumentation, die anschließend fachlich bewertet werden.
Agent (KI-Agent)
Technik
Ein KI-System, das ein vorgegebenes Ziel in mehreren Schritten selbstständig verfolgt: Es plant, nutzt Werkzeuge wie Suche, E-Mail oder Dokumentenablage und prüft Zwischenergebnisse. Weil Agenten handeln statt nur zu antworten, brauchen sie eng begrenzte Rechte und menschliche Freigaben an kritischen Stellen.
AI Act (KI-Verordnung)
Recht
Die Verordnung (EU) 2024/1689 regelt KI-Systeme in der EU nach einem risikobasierten Ansatz: Bestimmte Praktiken sind verboten, Hochrisiko-Systeme unterliegen strengen Anforderungen, für andere Systeme gelten vor allem Transparenzpflichten. Die Pflichten gelten gestaffelt und wurden durch die Verordnung (EU) 2026/1744 teilweise geändert. Für Kanzleien stehen meist die KI-Kompetenz und Transparenzfragen im Vordergrund.
Anbieter und Betreiber (AI Act)
Recht
Der AI Act unterscheidet zwischen Anbietern, die ein KI-System entwickeln oder unter eigenem Namen in Verkehr bringen oder in Betrieb nehmen, und Betreibern, die es in eigener Verantwortung verwenden. Kanzleien sind in der Regel Betreiber. Wer etwa einen selbst entwickelten Chatbot unter eigenem Namen einsetzt, kann aber auch Anbieter sein.
Anonymisierung
Recht
Die Veränderung von Daten in einer Weise, dass sich die betroffene Person nicht mehr identifizieren lässt; anonyme Daten fallen nicht unter die DSGVO. Echte Anonymisierung ist anspruchsvoll, denn das Entfernen von Namen genügt oft nicht, wenn sich der Fall aus dem Kontext erkennen lässt.
Anwendungsfall (Use Case)
Praxis
Eine konkret beschriebene Aufgabe, für die KI eingesetzt werden soll, etwa die Zusammenfassung von Eingangspost oder die Prüfung von Geheimhaltungsvereinbarungen. Gut beschriebene Anwendungsfälle benennen Ziel, Beteiligte, Datenarten, Werkzeug und Erfolgskriterien.
API (Programmierschnittstelle)
Technik
Eine technische Schnittstelle, über die Programme miteinander kommunizieren. Über APIs lassen sich KI-Modelle in Kanzleisoftware oder eigene Anwendungen einbinden; abgerechnet wird dabei meist nach verarbeiteten Tokens.
Automatisierungsbias
Praxis
Die Neigung, Vorschlägen automatisierter Systeme zu sehr zu vertrauen und sie ungeprüft zu übernehmen, besonders nach vielen korrekten Vorschlägen in Folge. Gegenmittel sind sichtbare Begründungen und Quellen, regelmäßige Stichproben und eine Kultur des kritischen Prüfens.
AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag)
Recht
Ein Vertrag nach Art. 28 DSGVO mit Dienstleistern, die personenbezogene Daten im Auftrag der Kanzlei verarbeiten, etwa Anbietern von KI- oder Cloud-Diensten. Er regelt unter anderem Weisungsbindung, Sicherheitsmaßnahmen und den Einsatz von Unterauftragnehmern. Für die anwaltliche Verschwiegenheit sind zusätzlich die Anforderungen des § 43e BRAO zu erfüllen.

B

beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach)
Praxis
Das elektronische Postfach für die Kommunikation von Anwältinnen und Anwälten mit Gerichten, Behörden und anderen Beteiligten. Für KI-gestützte Posteingangsprozesse ist es eine zentrale Quelle. Die Einreichung von Schriftsätzen bleibt an die verantwortende Person gebunden.
Bias (Verzerrung)
Technik
Systematische Verzerrungen in KI-Ergebnissen, die aus Trainingsdaten oder der Gestaltung eines Modells stammen. Sie können zu einseitigen Darstellungen oder zur ungleichen Behandlung von Personengruppen führen und sind besonders bei Entscheidungen über Menschen zu beachten.

C

Change Management
Organisation
Die strukturierte Begleitung von Veränderungen in einer Organisation. Bei der KI-Einführung umfasst es Kommunikation, Beteiligung der Mitarbeitenden, Schulung und den Umgang mit Vorbehalten und entscheidet maßgeblich darüber, ob Tools tatsächlich genutzt werden.
Chatbot
Technik
Ein Programm, das in Dialogform mit Menschen kommuniziert, heute meist auf Basis eines Sprachmodells. In Kanzleien kommen Chatbots etwa für die Aufnahme von Anfragen auf der Website in Betracht. Dabei gelten erhöhte Sorgfaltsanforderungen, und Nutzerinnen und Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer KI kommunizieren.
Chunking
Technik
Das Zerlegen von Dokumenten in kleinere Abschnitte, damit ein RAG-System gezielt die relevanten Passagen finden kann. Gutes Chunking folgt der Struktur eines Dokuments, etwa Klauseln oder Gliederungspunkten, statt Texte willkürlich zu zerschneiden.

D

Datenqualität
Praxis
Die Vollständigkeit, Aktualität und Eindeutigkeit der Daten, auf die ein KI-System zugreift. Nach dem Grundsatz „Garbage in, garbage out“ führen veraltete Muster, Dubletten oder fehlende Metadaten zu überzeugend klingenden, aber falschen Ergebnissen.
Deep Research
Technik
Bezeichnung für Recherchefunktionen in KI-Assistenten, die eine Frage selbstständig in Teilfragen zerlegen, zahlreiche Quellen auswerten und einen Bericht mit Belegen erstellen. Die Ergebnisse sind ein guter Ausgangspunkt für die eigene Recherche; jede Quelle muss jedoch geprüft werden.
Drittlandübermittlung
Recht
Die Übermittlung personenbezogener Daten in Staaten außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, etwa an KI-Anbieter mit Sitz in den USA. Sie ist nur unter den Voraussetzungen der Art. 44 ff. DSGVO zulässig, etwa auf Grundlage eines Angemessenheitsbeschlusses oder von Standardvertragsklauseln. Berufsrechtlich ist zusätzlich § 43e Abs. 4 BRAO zu beachten.
DSFA (Datenschutz-Folgenabschätzung)
Recht
Eine Risikoanalyse nach Art. 35 DSGVO, die vor einer Verarbeitung durchzuführen ist, wenn diese voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten von Personen mit sich bringt. Beim Einsatz von KI mit Mandatsdaten sollte geprüft und dokumentiert werden, ob eine DSFA erforderlich ist.
DSGVO
Recht
Die Datenschutz-Grundverordnung der EU regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten. Beim KI-Einsatz in Kanzleien sind insbesondere Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Datensicherheit, Drittlandübermittlungen und die Rechte der betroffenen Personen zu beachten.

E

§ 43e BRAO
Recht
Die Vorschrift regelt, unter welchen Voraussetzungen Anwältinnen und Anwälte Dienstleistern wie IT- oder KI-Anbietern Zugang zu Mandatsgeheimnissen gewähren dürfen. Erforderlich sind unter anderem eine sorgfältige Auswahl, ein Vertrag in Textform mit Verschwiegenheitsverpflichtung und die Beschränkung auf das Erforderliche. Für Dienstleistungen, die im Ausland erbracht werden, gelten zusätzliche Anforderungen.
Embedding
Technik
Eine Zahlenreihe, die die Bedeutung eines Textabschnitts abbildet. Texte mit ähnlicher Bedeutung erhalten ähnliche Embeddings, auch wenn sie unterschiedliche Wörter verwenden. Embeddings sind die Grundlage der semantischen Suche und von RAG-Systemen.
Ethical Wall (Informationsbarriere)
Organisation
Organisatorische und technische Vorkehrungen, die verhindern, dass vertrauliche Informationen zwischen Teams einer Kanzlei ausgetauscht werden, etwa im Zusammenhang mit Interessenkonflikten nach § 43a Abs. 4 BRAO. Solche Barrieren müssen auch in KI-Systemen und Suchindizes wirksam sein.
Evaluation
Praxis
Die systematische Prüfung der Qualität eines KI-Systems anhand von Testfällen mit bekannten richtigen Ergebnissen. Für Kanzleien empfiehlt sich ein eigener Testkatalog mit typischen Aufgaben, der vor der Einführung und nach Modellwechseln erneut durchlaufen wird.

F

Few-Shot-Prompting
Praxis
Eine Technik, bei der der KI ein oder mehrere Beispiele für das gewünschte Ergebnis mitgegeben werden, etwa ein anonymisiertes Musterschreiben. Beispiele vermitteln Ton, Aufbau und Länge oft präziser als lange Beschreibungen.
Fine-Tuning
Technik
Das Nachtrainieren eines bestehenden Sprachmodells mit zusätzlichen Beispielen, um Stil, Format oder bestimmte Aufgabentypen zu prägen. Für die Bereitstellung von Faktenwissen ist RAG in der Regel besser geeignet, weil sich Inhalte dort aktualisieren und löschen lassen.
Fristenkontrolle
Praxis
Die organisatorische Sicherstellung, dass Fristen korrekt berechnet, notiert und eingehalten werden. KI kann Hinweise auf Fristen in Schriftstücken liefern, ersetzt aber nicht die etablierte Fristenkontrolle durch geschultes Personal.

G

Generative KI
Technik
Oberbegriff für KI-Systeme, die neue Inhalte erzeugen, etwa Texte, Bilder, Audio oder Programmcode. Sie beruhen auf Modellen, die aus großen Datenmengen Muster gelernt haben, und arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten statt mit festen Regeln.
GPAI-Modell
Recht
Die Abkürzung steht für General Purpose AI: Der AI Act bezeichnet so KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck, die für viele unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden können, etwa große Sprachmodelle. Die Pflichten für solche Modelle treffen vor allem deren Anbieter; Kanzleien, die solche Modelle lediglich nutzen, sind davon in der Regel nicht unmittelbar betroffen.
Guardrails
Technik
Technische und organisatorische Schutzmechanismen, die das Verhalten eines KI-Systems begrenzen, etwa Filter für Ein- und Ausgaben, Rechtebeschränkungen oder Freigabepflichten. Sie verringern Risiken, ersetzen aber nicht die menschliche Kontrolle.

H

Halluzination
Technik
Eine KI-Ausgabe, die plausibel klingt, aber falsch oder frei erfunden ist, etwa ein nicht existierendes Aktenzeichen oder Zitat. Halluzinationen entstehen, weil Sprachmodelle wahrscheinliche Fortsetzungen erzeugen, ohne Fakten zu prüfen. Jede Fundstelle aus einer KI-Antwort ist daher am Original zu verifizieren.
Hochrisiko-KI-System
Recht
Eine Kategorie des AI Act für KI-Systeme mit erheblichen Risiken, etwa in der Personalauswahl oder zur Unterstützung von Gerichten bei der Rechtsanwendung. Typische Kanzleianwendungen wie Entwürfe oder Recherche fallen in der Regel nicht darunter, KI im Recruiting dagegen schon. Die Pflichten für die in Anhang III genannten Systeme gelten nach der Änderung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 ab dem 2. Dezember 2027.
Human-in-the-Loop
Praxis
Ein Gestaltungsprinzip, bei dem ein Mensch an festgelegten Punkten prüft und freigibt, bevor eine KI-gestützte Aktion wirksam wird. In Kanzleien gehört eine solche Freigabe insbesondere vor jede Außenkommunikation, vor Fristeinträge und vor Änderungen an Akten.

I

Inferenz
Technik
Die Nutzungsphase eines KI-Modells, in der das fertig trainierte Modell Antworten auf Eingaben erzeugt. Dabei lernt das Modell nicht dazu; ob Eingaben später für das Training genutzt werden, regeln Vertrag und Einstellungen.

K

KI-Champion
Organisation
Eine Person aus Anwaltschaft oder Sekretariat, die sich besonders mit KI befasst, Kolleginnen und Kollegen unterstützt und Erfahrungen bündelt. KI-Champions pflegen etwa die Prompt-Bibliothek und sind erste Ansprechpersonen bei Fragen.
KI-Governance
Organisation
Der Rahmen aus Regeln, Zuständigkeiten und Prozessen, mit dem eine Kanzlei den KI-Einsatz steuert, von der Tool-Freigabe über Richtlinien bis zur laufenden Kontrolle. Gute KI-Governance verbindet rechtliche Anforderungen mit praktischer Handhabbarkeit.
KI-Kompetenz
Recht
Nach Art. 4 AI Act müssen Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen; die Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025. Nach der durch die Verordnung (EU) 2026/1744 geänderten Fassung muss kein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Personen garantiert werden. Für Kanzleien bieten sich rollengerechte Schulungen und deren Dokumentation an.
KI-Richtlinie
Organisation
Ein internes Regelwerk, das festlegt, welche KI-Tools wofür und mit welchen Daten genutzt werden dürfen und wie Ergebnisse zu prüfen sind. Eine wirksame KI-Richtlinie ist kurz, verständlich und mit konkreten Beispielen versehen, etwa einem Ampelsystem für Datenkategorien.
Klauselbibliothek
Praxis
Eine kuratierte Sammlung freigegebener Vertragsklauseln mit Varianten, Erläuterungen und Einsatzhinweisen. In Verbindung mit KI dient sie als verlässliche Grundlage für Vertragsentwürfe und Vertragsprüfungen.
Kollisionsprüfung
Praxis
Die Prüfung vor Mandatsannahme, ob die Kanzlei in derselben Rechtssache bereits im widerstreitenden Interesse tätig war (§ 43a Abs. 4 BRAO). KI kann die Prüfung vorbereiten, etwa durch die Suche nach Namensvarianten; die Entscheidung bleibt beim Menschen.
Kontext-Engineering
Praxis
Die gezielte Auswahl und Aufbereitung aller Informationen, die einem KI-System für eine Aufgabe zur Verfügung stehen, von Anweisungen über Beispiele bis zu Dokumenten und Werkzeugen. Der Begriff erweitert das Prompting um die Frage, welches Material die KI in welchem Umfang erhält.
Kontextfenster
Technik
Die Menge an Text, die ein Sprachmodell bei einer Antwort gleichzeitig berücksichtigen kann, einschließlich Anweisungen, Gesprächsverlauf, Dokumenten und eigener Antwort; gemessen wird sie in Tokens. Auch bei großen Kontextfenstern werden Informationen aus der Mitte langer Texte mitunter weniger zuverlässig berücksichtigt.

L

LLM (Large Language Model)
Technik
Ein großes Sprachmodell, das mit enormen Textmengen trainiert wurde und Text erzeugt, indem es fortlaufend das wahrscheinlichste nächste Textstück berechnet. LLMs bilden die Grundlage gängiger KI-Assistenten und vieler juristischer KI-Anwendungen.

M

MCP (Model Context Protocol)
Technik
Ein offener Standard, der KI-Anwendungen mit Datenquellen und Werkzeugen verbindet, etwa mit Dokumentenmanagement, Kalender oder Datenbanken. MCP wurde ursprünglich von Anthropic entwickelt und wird inzwischen unter dem Dach der Linux Foundation weiterentwickelt. Jede Anbindung ist ein Zugriffsrecht und sollte bewusst freigegeben werden.
Mitbestimmung des Betriebsrats
Recht
Führt eine Kanzlei technische Einrichtungen ein, die geeignet sind, Verhalten oder Leistung von Beschäftigten zu überwachen, hat ein bestehender Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitzubestimmen. Das kann bei KI-Tools mit Protokollierung oder Nutzungsauswertungen der Fall sein.
Multimodalität
Technik
Die Fähigkeit eines KI-Modells, verschiedene Datenarten wie Text, Bilder, Audio und Dokumente zu verarbeiten und teilweise auch zu erzeugen. Für Kanzleien relevant sind etwa das Auslesen gescannter Schreiben und die Transkription von Diktaten.

N

Nutzenmessung
Organisation
Die Bewertung, ob und in welchem Umfang sich der KI-Einsatz lohnt, etwa anhand eingesparter Zeit, verbesserter Qualität oder schnellerer Reaktion. Voraussetzung ist eine Ausgangsmessung vor der Einführung, mit der sich spätere Ergebnisse vergleichen lassen.

O

OCR (Texterkennung)
Technik
Optical Character Recognition wandelt gescannte Dokumente und Bilder in maschinenlesbaren Text um. Ohne Texterkennung bleiben eingescannte Unterlagen für Suche und KI-Auswertung weitgehend unsichtbar. Erkennungsfehler betreffen besonders Zahlen, Tabellen und Handschrift.
On-Premises
Technik
Der Betrieb von Software und KI-Modellen auf eigener Infrastruktur, etwa im kanzleieigenen Rechenzentrum, statt in der Cloud eines Anbieters. Das bietet weitgehende Kontrolle über die Daten, erfordert aber eigenes Know-how für Betrieb, Sicherheit und Aktualisierung.
Open-Weight-Modell
Technik
Ein KI-Modell, dessen trainierte Parameter veröffentlicht sind, sodass es auf eigener Infrastruktur betrieben werden kann. Das ermöglicht volle Datenkontrolle, verlangt aber Aufwand für Betrieb und Qualitätssicherung. Nicht jedes Open-Weight-Modell ist Open Source im engeren Sinne.
Oversharing (Überberechtigung)
Organisation
Dokumente sind für mehr Personen freigegeben als nötig, etwa versehentlich für die gesamte Organisation. KI-gestützte Suchen machen solche Inhalte plötzlich auffindbar. Berechtigungen sollten daher vor der Einführung geprüft und bereinigt werden.

P

Parameter
Technik
Die einstellbaren Zahlenwerte eines neuronalen Netzes, in denen das im Training Gelernte gespeichert ist. Große Sprachmodelle haben Milliarden davon; die Zahl allein sagt aber wenig über die Eignung für eine bestimmte Aufgabe aus.
Pilotprojekt
Organisation
Eine zeitlich und inhaltlich begrenzte Erprobung eines KI-Tools mit ausgewählten Nutzerinnen und Nutzern und vorab definierten Erfolgskriterien. Ein gutes Pilotprojekt liefert belastbare Erkenntnisse für die Entscheidung über eine breitere Einführung.
Playbook
Praxis
Eine strukturierte Sammlung der Standard- und Rückfallpositionen einer Kanzlei für bestimmte Vertragstypen oder Verhandlungssituationen. Playbooks sind eine wertvolle Grundlage für KI-gestützte Vertragsprüfung, weil sie den Prüfmaßstab eindeutig festlegen.
Prompt
Praxis
Die Eingabe, mit der eine Person einer KI eine Aufgabe stellt, von der kurzen Frage bis zur ausführlichen Anweisung mit Kontext, Material und Formatvorgaben. Die Qualität des Prompts beeinflusst die Qualität des Ergebnisses maßgeblich.
Prompt Engineering
Praxis
Das systematische Gestalten von Prompts, um zuverlässige und passende Ergebnisse zu erhalten. Dazu gehören ein klares Grundgerüst aus Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Qualitätskriterien und Quellen sowie Techniken wie Rückfragen, Beispiele und Selbstkontrolle.
Prompt Injection
Technik
Ein Angriff, bei dem versteckte Anweisungen in Texten, E-Mails, Dokumenten oder Webseiten ein KI-System zu unerwünschtem Verhalten verleiten sollen. Besonders relevant ist das für Agenten, die fremde Inhalte verarbeiten und zugleich handeln können. Wirksam sind vor allem minimale Rechte und Freigaben vor kritischen Aktionen.
Prompt-Bibliothek
Praxis
Eine gepflegte Sammlung erprobter Prompts mit Platzhaltern, Einsatzhinweisen und Prüfempfehlungen, die dem ganzen Team zur Verfügung steht. Sie sichert Qualitäts- und Datenschutzstandards und verkürzt die Einarbeitung. Jeder Eintrag braucht eine verantwortliche Person und ein Prüfdatum.
Pseudonymisierung
Recht
Das Ersetzen identifizierender Merkmale wie Namen durch Platzhalter, sodass Daten nur mit Zusatzwissen einer Person zugeordnet werden können. Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Beim Prompten ist Pseudonymisierung eine sinnvolle Schutzmaßnahme, ersetzt aber nicht die Freigabe des Tools.

R

RAG (Retrieval-Augmented Generation)
Technik
Ein Verfahren, bei dem ein KI-System vor der Antwort relevante Passagen aus einer festgelegten Quelle sucht, etwa aus dem Dokumentenmanagement oder einer Fachdatenbank, und die Antwort darauf stützt. RAG macht Antworten aktueller und über Quellenangaben nachprüfbar, schließt Fehler aber nicht aus.
Reasoning-Modell
Technik
Ein Sprachmodell, das eine Aufgabe vor der Antwort in Zwischenschritten durcharbeitet und dafür mehr Rechenzeit aufwendet. Reasoning-Modelle sind bei mehrstufigen Analysen stärker, aber langsamer und teurer. Auch sie können halluzinieren.
Reifegrad
Organisation
Eine Einordnung, wie weit eine Kanzlei beim KI-Einsatz entwickelt ist, von ersten Experimenten bis zur systematischen Integration in Prozesse. Eine Reifegradanalyse hilft, sinnvolle nächste Schritte zu priorisieren.

S

§ 203 StGB
Recht
Die Vorschrift stellt die unbefugte Offenbarung fremder Geheimnisse durch Berufsgeheimnisträger unter Strafe, darunter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Beim Einsatz von KI-Diensten ist sie zentral, weil bereits die Möglichkeit eines Anbieters, von Mandatsgeheimnissen Kenntnis zu nehmen, relevant sein kann. Die Einbindung mitwirkender Dienstleister ist nur unter den Voraussetzungen des § 203 Abs. 3 StGB und des § 43e BRAO zulässig.
Schatten-KI
Organisation
Die Nutzung nicht freigegebener KI-Tools durch Mitarbeitende, häufig über private Konten. Schatten-KI ist ein erhebliches Risiko für Verschwiegenheit und Datenschutz. Wirksamer als Verbote ist in der Regel ein freigegebenes Tool mit klaren Regeln.
Semantische Suche
Technik
Eine Suche, die nach der Bedeutung statt nach exakten Wörtern arbeitet. Sie findet zu „Haftungsbegrenzung“ etwa auch Klauseln, die als „Haftungsausschluss“ oder „Limitation of Liability“ formuliert sind. Grundlage sind Embeddings.
Spracherkennung
Technik
Die automatische Umwandlung gesprochener Sprache in Text, auch Speech-to-Text genannt. Sie ermöglicht Diktate und Transkriptionen; Fachbegriffe, Namen und Zahlen sollten vor der Weiterverwendung gegengelesen werden.
Systemprompt
Technik
Grundanweisungen, die einem KI-Modell vor dem eigentlichen Gespräch mitgegeben werden und sein Verhalten prägen, etwa Rolle, Tonalität oder Grenzen. In Kanzleianwendungen lassen sich darüber Standards wie Stilvorgaben oder Quellenpflichten verankern.

T

Token
Technik
Die Recheneinheit von Sprachmodellen, meist ein Wortteil, manchmal ein ganzes Wort oder ein Satzzeichen. Kontextfenster und Kosten werden in Tokens gemessen. Deutsche Texte mit langen Komposita benötigen tendenziell mehr Tokens als englische.
TOM (technische und organisatorische Maßnahmen)
Recht
Maßnahmen, mit denen Verantwortliche und Auftragsverarbeiter die Sicherheit personenbezogener Daten gewährleisten, etwa Verschlüsselung, Zugriffskonzepte, Protokollierung und Schulungen (Art. 32 DSGVO). Bei KI-Diensten gehören sie zu den zentralen Prüfpunkten der Anbieterauswahl.
Tool-Nutzung (Function Calling)
Technik
Die Fähigkeit eines Sprachmodells, externe Werkzeuge aufzurufen, etwa eine Suche, einen Kalender oder eine Datenbank. Sie ist die technische Grundlage für Agenten und macht aus einem Textgenerator ein handelndes System.
Trainingsdaten
Technik
Die Daten, mit denen ein KI-Modell trainiert wurde; sie prägen Wissen, Sprachgefühl und mögliche Verzerrungen des Modells. Für Kanzleien ist entscheidend, ob eigene Eingaben in künftige Trainingsdaten einfließen dürfen – das regeln Vertrag und Einstellungen.
Transparenzpflichten (Art. 50 AI Act)
Recht
Art. 50 AI Act verlangt unter anderem, dass Menschen grundsätzlich darüber informiert werden, wenn sie mit einem KI-System interagieren, und dass bestimmte KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden. Für Kanzleien ist das etwa bei Chatbots auf der Website relevant. Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob die Mandantschaft über den KI-Einsatz bei der Mandatsbearbeitung informiert werden sollte.

U

Urheberrecht an KI-Ergebnissen
Recht
Urheberrechtlicher Schutz setzt nach deutschem Recht eine persönliche geistige Schöpfung eines Menschen voraus. Rein KI-generierte Inhalte sind daher in der Regel nicht geschützt; bei maßgeblicher menschlicher Gestaltung kann das anders sein. Zu beachten sind außerdem Rechte Dritter an Material, das in Prompts verwendet wird.

V

Vektordatenbank
Technik
Eine Datenbank, die Embeddings speichert und zu einer Anfrage schnell die inhaltlich ähnlichsten Einträge findet. Sie ist ein zentraler Baustein von RAG-Systemen; Berechtigungen und Löschungen müssen auch hier umgesetzt werden.
Verschwiegenheitspflicht
Recht
Die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO erfasst alles, was Anwältinnen und Anwälten in Ausübung ihres Berufs bekannt geworden ist, einschließlich der Tatsache, dass ein Mandat besteht. Beim KI-Einsatz bestimmt sie, welche Informationen in welche Tools gelangen dürfen. Strafrechtlich ist sie durch § 203 StGB abgesichert.

W

Wissensmanagement
Organisation
Das systematische Erfassen, Pflegen und Bereitstellen des Wissens einer Kanzlei, etwa von Mustern, Klauseln und Erfahrungswerten. KI kann dieses Wissen über RAG erschließen; Voraussetzung sind gute Datenqualität und saubere Berechtigungen.
Wissensstichtag
Technik
Der Zeitpunkt, bis zu dem die Trainingsdaten eines Modells reichen, englisch Knowledge Cutoff. Spätere Gesetzesänderungen oder Entscheidungen kennt das Modell nur, wenn es an aktuelle Quellen angebunden ist.
Workflow-Automatisierung
Praxis
Die automatische Ausführung festgelegter Abläufe nach Regeln, etwa die Ablage eingehender E-Mails in der richtigen Akte. Im Unterschied zu einem Agenten ist der Ablauf vorab definiert; KI kann einzelne Schritte wie das Klassifizieren von Dokumenten übernehmen.

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